Der Anfang vom Ende der fossilen Ära
Der Klimawandel ist Realität. Um die international vereinbarte Zwei-Grad-Schwelle der Erderwärmung noch einzuhalten, müssen 80 Prozent der heute bekannten fossilen Reserven aus Kohle, Öl und Erdgas im Boden bleiben.
Erstmals deutet sich der Abschied von der fossilen Ära an, die die Weltenergieversorgung seit der Industrialisierung geprägt hat.
Kohleverstromung ist noch immer ein Haupttreiber der CO2-Emissionen, jedoch wird von jeweils drei auf der Welt geplanten Kohlekraftwerken wird nur noch eines tatsächlich gebaut.
Bis Mitte 2015 gestoppte Ölförderungsvorhaben weltweit.
Zwei Entwicklungen werden den Abschied von den fossilen Energien massiv beschleunigen.
Einmal die durch neue Klimaschutzversprechen in den USA und China befeuerte Diskussion über ein wirksames Weltklimaabkommen. Und zweitens der Erfolg der erneuerbaren Energien, die sich zu einer auch wirtschaftlich attraktiven Alternative entwickeln. Die Ausbeutung weiterer fossiler Brennstoffvorräte ist schon heute wirtschaftlich riskant. Geht man nach den volkswirtschaftlichen Kosten, dürften beispielsweise drei Viertel des kanadischen Öls und fast 90 Prozent der europäischen Kohle nicht mehr gefördert werden.
Die Vorräte an fossilen Rohstoffen bestimmen den Wert der global agierenden Kohle-, Öl- und Gaskonzerne. Bleiben tatsächlich 80 Prozent der Rohstoffe im Boden, verlieren die Konzerne massiv an Wert.
Die sogenannte „Divestment“ Bewegung wirbt in vielen Industrieländern dafür, Kapital aus 200 großen Gas- und Ölunternehmen abzuziehen – auch weil es zu riskant ist, in solche Unternehmen zu investieren. Die Resonanz ist überwältigend. Kürzlich gab der größte Staatsfonds der Welt in Oslo bekannt, kein Geld mehr in Kohle-Konzerne anzulegen. Selbst die Erben der Rockefeller-Öl-Dynastie verkaufen ihre Anteile an Öl- und Gasfirmen und legen ihr Geld stattdessen in klimaschonende Unternehmen an.
Auch die Entwicklung des Kraftwerks-Baus spricht eine klare Sprache. Weltweit werden seit 2010 zwei von drei projektierten Kohlemeilern zurückgestellt oder ganz aufgegeben. In China nimmt die Kohleverbrennung seit 2014 erstmals ab. In Indien werden seit 2012 sechsmal mehr Kohlekraftwerkprojekte eingemottet als vollendet. Die USA und auch die Mitgliedstaaten der EU schalten schon seit Anfang der 2000er Jahre mehr Kohlemeiler ab als neue ans Netz angeschlossen werden. Das hat spürbare Folgen für das Klima.
Erstmals seit 40 Jahren ist 2014 der weltweite Treibhausgasausstoß aus dem Energiesektor nicht gestiegen, obwohl die Weltwirtschaft um drei Prozent wuchs.
Immer mehr Finanzanalysten interpretieren den spektakulären Einbruch des Ölpreises in der zweiten Jahreshälfte 2014 als Anfang vom Ende des Ölzeitalters. Das Dilemma der Ölwirtschaft scheint unauflösbar: Bleiben die Ölpreise niedrig, wird die immer teurere Förderung aus schwierigen Lagerstätten unbezahlbar. Steigen die Preise, beschleunigt dies den Ersatz von Öl durch immer kostengünstigeren Ökostrom, insbesondere im Verkehrsbereich.
